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University meets Sports
ISEC Diskussionsrunde mit Andrea Petkovic



Luxemburg, 24. Oktober 2016

Andrea Petkovic
Andrea Petkovic
Natürlich sympathisch
Andrea Petkovic, „Petko“, wie ihre Fans sie nennen, fällt sofort durch ihre natürliche, selbstsichere Erscheinung auf als sie mit großen lockeren Schritten durch die Halle kommt und spontan alle Sympathien der anwesenden Studenten und Schüler erntet.

Auf Einladung der Chambre de Commerce hatten sich knapp dreißig Studierende der ISEC Hochschule der Wirtschaft mit ihrem Rektor, Prof. André Reuter, im Sportzen-trum der Kockelscheuer eingefunden, um eine Interviewrunde mit einer der promi-nentesten deutschen Profi-Tennisspielerinnen, Andrea Petkovic, zu gestalten. Die Ge-legenheit, eine bekannte Profispielerin unter dem Motto „University & Sports“ zu persönlichen Einstellungen, Motivation und Geschäft befragen zu dürfen, war für die meisten Studenten ein erstmaliges Erlebnis, das sich nahtlos in die ISEC-Konferenz-reihe „University meets Business“ einreiht.

Stephanie Lahr, Studentin im Abschluss-Semester des Bachelor-Programms „Business Management“, moderierte die Diskussionsrunde, an der sich die Studierenden sehr aktiv beteiligten.

Beim Betreten des Podiums in der Interviewzone des von der IWTP (International Women's Tennis Promotion) ausgerichteten internationalen Damentennisturniers lässt Petkovic ihre Augen in die Runde lächeln.

Petkos gewinnendes Lächeln ist nicht aufgesetzt, wirkt authentisch; kein glattgebü-geltes Dauergrinsen, wie bei manchen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Ganz im Ge-genteil, ihre positive Ausstrahlung aus vielen Facetten von Körpersprache, Stimme, Wortwahl, Denken, Mimik und Gesten erzeugt unmittelbare Resonanz und zeichnet ein stimmiges kommunikatives Gesamtbild einer jungen Frau, die offensichtlich ge-lernt hat, sich selbst anzunehmen und zu sich zu stehen.

Das kommt gut an. Obwohl das Medieninteresse am Tennis in den letzten Jahren wieder stark gestiegen ist, gibt es glücklicherweise noch einige Tennisprofis, denen es gelingt, sich stets von ihrer sympathischsten Seite zu zeigen. Dazu zählt zweifelsfrei Andrea Petkovic.

2005 wurde BGL BNP Paribas Namenssponsor des Turniers, das seit 2010 BGL BNP Paribas Luxembourg Open heißt. Es zählt zu den größten Sportereignissen in Luxemburg. Eine hochrangige Teilnehmerliste lässt die Zuschauerzahlen von Jahr zu Jahr steigen. Damit bietet das BGL BNP Paribas Luxembourg Open zweifelsohne eine hervorragende Plattform, um sich mit Beteiligten und Betroffenen über Sport und Business auszutauschen.

Globalisierung und Kommerzialisierung des Sports
In den letzten 20 Jahren hat sich nicht nur die Wirtschaft, sondern auch der Sport globalisiert und kommerzialisiert. Sport und Ge-schäft sind heute mehr denn je untrennbar miteinander verknüpft. Von einer symbiotischen Partnerschaft kann allerdings aufgrund zunehmender Verteilungskämpfe keine Rede sein. Vereine und Spieler haben sich zu globalen Marken mit rasant steigenden TV-und Medienrechten entwickelt. Sie müssen harte unternehmerische Entscheidungen in nahezu allen betrieblichen Funktionsbereichen treffen, von strategischen Geschäftsfeldern, Marketing und Vertrieb über Finanzierung und Controlling bis hin zu Organisation & Governance.

Stephanie Lahr: Andrea, darf ich Du sagen?

Andrea Petkovic: Bitte, gerne.

Steffi:Toll, Andrea, bist Du zufrieden damit, wie 2016 bis jetzt gelaufen ist und was sind Deine Ziele für das kommende Jahr 2017?

Andrea: Zufrieden, ja und nein. Ich bin Perfektionistin und daher eigentlich nie wirklich mit mir selbst zufrieden. Vor einem Jahr hatte ich sogar große Zweifel, ob ich überhaupt noch Tennis spielen wollte. Ich war aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen nicht in der Lage, das auf den Platz zu bringen, das ich gerne wollte. Aber weil ich eine Kämpfernatur bin, habe ich einfach weitergemacht, musste jedoch zunehmend erkennen, dass der Sport mir plötzlich nicht mehr wichtig genug war. Irgend wie habe gefühlt, dass ich Zeit für andere Dinge verloren habe, weil ich Tennis spiele.

Steffi: Und wie bist Du aus diesem Loch herausgekommen? Du musst die Krise ja überwunden haben, sonst wärest Du jetzt nicht hier. Daher meine Frage - vielleicht auch gerade im Hinblick auf die frühe Niederlage in Rio: Machen Dich Niederlagen unter Umständen sogar eher stark?

Andrea Petkovic auf dem Weg zum Podium Begrüßung durch den Rektor Andrea Petkovic mit Steff Lahr
Andrea Petkovic auf dem Weg zum Interview
ISEC Rektor Prof. Reuter begrüsst die Profispielerin
ISEC Studentin Steffi Lahr modierte die Diskussion

Andrea: In Rio habe ich Runde eins ein Spiel hergegeben, das ich hätte gewinnen können. Klar, dass ich erst einmal sehr verärgert und enttäuscht war, vor allem weil ich mir selbst ein Bein gestellt hatte. Im zweiten Satz habe ich den Rhythmus beim Aufschlag ver-loren und mich dadurch komplett rausgebracht. So ein Hänger darf nicht passieren, sonst setzt das Kopfkino ein und Du gibst ein Match ab, das Du bislang dominiert hast.

Steffi: Dabei sah jeder in Rio eine bis in die letzte Sehne durchtrainierte Sportlerin. Dein neuer Trainer, Jan de Witt, hatte Dich in körperliche Höchstform gebracht. Und ausgerechnet aus dieser bitteren Schlappe hast Du neue Kraft geschöpft?

Andrea: Rio hat mir persönlich sehr viel gebracht. Ich bin sehr froh über die Erfahrung, in Rio dabei gewesen zu sein: die vielen neuen Reize im Olympischen Dorf, die tolle Atmosphäre, die leuchtenden Farben und nicht zuletzt die brasilianische Freundlichkeit. Alles hat mich daran erinnert, warum ich Tennis spiele.

Steffi: In wiefern hat das Dich dann wieder in die Spur gebracht?

Andrea: Weil ich etwas über mich und meinen Sport gelernt habe. Im Hamsterrad der Profitour vergisst man leicht, was entscheidend ist: Die Liebe zum Tennis. Ich bin jetzt 28 und seit mehr als zehn Jahren kurbele ich mich nun schon durch das Filzball-Business, in dem es weitgehend um Geld und Punkte geht. Da kann schon mal eine gewisse Sättigung aufkommen, die Angst etwas Wichtiges zu verpassen. Ich habe mit vielen Athleten gesprochen und festgestellt, dass und warum wir letztendlich alle ein gemeinsames Ziel haben. Das macht mir Mut, eine bessere Spielerin zu werden, um vieleicht noch einmal in der absoluten Weltspitze angreifen zu können. Und weil ich bereits in den Top Ten war, glaube ich fest daran, dass ich auch wieder hinkommen kann. Ich mache mir keinen Druck. Das habe ich in der Vergangenheit schon zu oft gemacht.

Andrea Petkovic Andrea Petkovic Podium Andrea Petkovic
Rio hat mich daran erinnert, warum ich Tennis spiele
Ein bisschen Drama gehört bei mir dazu
Kopfkino ausschalten und richtig durchstarten

Steffi: Das Kopfkino hat dir schon oft zu schaffen gemacht.

Andrea Petkovic: Offensichtlich gehört bisschen Drama bei mir dazu. Ich weiß aber, dass ich das Kopfkino ausschalten muss, um noch mal richtig durchstarten zu können.

Steffi: Was treibt einen Menschen dazu an, sich jeden Tag acht Stunden zu quälen?

Andrea Petkovic: Es bleibt ihm gar nichts anderes ürbig, wenn er vorne dabei sein möchte. Bei der Dichte im Frauentennis ist es un-heimlich schwierig, sich durchzusetzen. Im heutigen Leistungssport sind Erfolge nur möglich, wenn man sich als Profi ganz auf den Sport konzentriert und sich ständig dazu zwingt, eigene Grenzen zu überwinden. Profisportler verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Sport und das können sie nur dann angemessen tun, wenn sie zur Leistungsspitze zählen. Aber es geht, zumindest bei mir, längst nicht nur ums Wirtschaftliche. Das Messen mit dem Gegner, das Streben nach unerreichbarer Perfektion, die von vielen unterschätzte men-tale Herausforderung, die Erlösung nach einem verwandelten Matchball - all das gibt meinem Leben den Kick, den es braucht, um interessant, abwechslungsreich und vor allem lebenswert zu bleiben.

Steffi: Wenn es nicht Geld ist, was ist es dann, was einen Sportler dazu bringt, sich mit all seinen Stärken und Schwächen den Strapazen des Filzball-Business auszusetzen?

Andrea Petkovic Diskussionsrunde mit Andrea Petkovic Andrea Petkovic und Eliseo Monti
Andrea Petkovic punktet mit ihren offenen
und ehrlichen Antworten
Aufmerksame und interessierte ISEC Studenten
Senestersprecher Eliseo Monti überreicht Andrea Petkovic
als kleines Dankeschön der ISEC University einen Blumenstrauß

Andrea Petkovic: Bei mir sind es die intensiven Emotionen, die ich in einem Match erlebe. Das hätte ich in keinem anderen Beruf. In einer Partie durchlebe ich das komplette Spektrum der Gefühle, Wut, Trauer, Verzweiflung, Enttäuschung ebenso wie Freude, Euphorie, Stolz und Glück - eine Achterbahn der Gefühle, mit der ich glücklicherweise meinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Steffi: Eine letzte Frage. Hast Du konkrete Ziele und Pläne für die Zeit nach der Sportkarriere?

Andrea Petkovic: Konkret ist noch nichts geplant, aber ich habe viele Ideen. Ich werde auf jeden Fall erst einmal eine Pause vom Tennis machen. Ich möchte in meinem Leben einmal eine Phase haben, die nichts mit Tennis zu tun hat. Ich fühle mich zu Künstlern hingezogen, weil sie das genaue Gegenteil meines Lebens leben. Richtig seßhaft werde ich wohl nach dem Ende meiner Profizeit auch nicht werden: Zwei Jahre Paris, zwei Jahre New York, zwei Jahre Montreal, ich sehe mich als Wandervogel.

Steffi: Liebe Andrea, herzlichen Dank für dieses Interview und die Zeit, die Du Dir für uns ISEC-Studentinnen und Studenten genommen hast.

Andrea Petkovic: Ich fand es sehr schön, hier zu sein.

   Gruppenbild mit Andrea Petkovic
 
Gruppenbild mit Andrea Petkovic und einer kleinen Gruppe von ISEC Studenten
 


Wirtschaften heißt, planvolle Entscheidungen treffen
Prof. Reuter spannte abschließend kurz den Bogen vom Sport zur Ökonomie: "Viele Fragen, die Sportler sich stellen müssen, wenn sie nach ihrer aktiven Karriere in die Wirtschaft wechseln wollen, stellen sich auch einem mittelständischen Unternehmen." Ein wesentlicher Unterschied dabei ist allerdings, dass Unternehmen in der Regel nicht so unter dem Brennglas der Öffentlichkeit stehen, wie ein bekannter professioneller Sportler. Reuter weiter: "Der Druck der Öffentlichkeit sorgt dafür, dass Entscheidungen oft vorschnell getroffen werden und dass das gewählte Geschäftsmodell nicht ausreichend hinterfragt wird, ob es tatsächlich dazu beitragen kann, die gesteckten Ziele greifbar zu machen, um aus kollektiven Erlebnissen Geschäfte zu generieren." In diesem Sinne bedeutet Wirtschaften, planvolle Entscheidungen zur eigenen Leistung und Wertschöpfung zu treffen.





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