eikv-logo

Wo ist die Mehrwertsteuer zu bezahlen?
Über 50 Beispiele zum steuerlichen Ort



Grundsätzlich zahlen Privatpersonen, die in der EU einkaufen, die Mehrwertsteuer nur einmal, nämlich in dem Land, in dem sie den Kauf tätigen. Alle Waren, die sie in einem anderen EU-Land gekauft haben, können Privatpersonen in ihr Wohnsitzland einführen, ohne an der Grenze anhalten oder eine Zollanmeldung abgeben zu müssen. Einzige Bedingung: ihre Einkäufe sind nur für ihren eigenen Privatgebrauch oder für den ihrer Familie und nicht für den Weiterverkauf bestimmt.

Ausnahmen gibt es allerdings für Telekommunikations-, Rundfunk- und elektronisch erbrachte Dienste. Seit dem 1. Januar 2015 wird die Mehrwertsteuer auf Telekommunikations-, Rundfunk- und elektronisch erbrachte Dienste in dem Land erhoben, in dem der Käufer lebt. Das ist das Land, in dem er niedergelassen ist, seinen ständigen Wohnsitz hat oder sich hauptsächlich aufhält, und nicht das Land, in dem er den Dienst erworben hat. Diese Vorschriften gelten sowohl für innerhalb als auch für außerhalb der EU erbrachte Leistungen.

Ausnahmen gibt es auch bei Autos. Wenn jemand in einem anderen EU-Mitgliedstaat einen Neuwagen kauft, muss er die Mehrwert-steuer in dem Land zahlen, in dem er das Fahrzeug anmeldet, also in seinem Wohnsitzland. Als Neuwagen gilt dabei jedes Auto, das weniger als 6.000 km zurückgelegt hat oder weniger als sechs Monate alt ist. Diese Mehrwertsteuerregelung gilt auch für andere neue Transportmittel wie Boote und Luftfahrzeuge. Für Gebrauchtwagen und andere von Privatpersonen gekaufte Gebrauchtfahrzeuge wurde die Mehrwertsteuer bereits vom ursprünglichen Käufer im Einkaufsland gezahlt. Daher braucht der Käufer eines Gebrauchtwagens, den er von einer Privatperson kauft, keine Mehrwertsteuer zu zahlen, weder in dem Land, in dem er den Wagen kauft, noch in dem Land, in dem Sie ihn anmeldet. Als Gebrauchtwagen gilt jedes Auto, das über sechs Monate alt ist und bereits mehr als 6.000 km zurückgelegt hat.

Einfach und wettbewerbsneutral
Ziel der EU ist es, den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr nicht durch Wettbewerbshemmnisse wie Steuern und Zölle zu behindern. Daher soll das Mehrwertsteuersystem soweit wie möglich Faktoren auszuschalten, die Wettbewerbsbedingungen auf nationaler Ebene wie auf Gemeinschaftsebene verfälschen könnten.

Die Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem fordert daher: "Das gemeinsame Mehrwertsteuersystem sollte, selbst wenn die Sätze und Befreiungen nicht völlig harmonisiert werden, eine Wettbewerbsneutralität in dem Sinne bewirken, dass gleichartige Gegenstände und Dienstleistungen innerhalb des Gebiets der einzelnen Mitgliedstaaten ungeachtet der Länge des Produktions- und Vertriebswegs steuerlich gleich belastet werden."

Einfachheit und Neutralität eines Mehrwertsteuersystems können nach Ansicht der EU-Kommission am besten dadurch erreicht, dass die Steuer so allgemein wie möglich erhoben wird und ihr Anwendungsbereich alle Produktions- und Vertriebsstufen sowie den Bereich der Dienstleistungen umfasst. Es liege folglich im Interesse des Binnenmarktes und der Mitgliedstaaten, ein gemeinsames System anzunehmen, das auch auf den Einzelhandel Anwendung findet.

Praktisch verwirktlicht werden soll der postulierte Neutralitätsanspruch auch in Bezug auf die Länge des Produktsionsweges in erster Linie durch die Erhebung als Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug.

Mehrwertsteuersatz und Mehrwertsteuerbefreiung
Angesichts der Forderung nach Einfachheit, Transparenz und Wettbewerbsneutralität drängt sich die Frage auf, warum es in der EU unterschiedliche Mehrwertsteuersätze gibt? Die Antwort ist einfach, wenn auch nicht ganz befriedigend: Die Bestimmungen zu den Mehrwertsteuersätzen sind das Ergebnis verschiedener Kompromisse, auf die sich die Finanzminister aller EU-Länder geeinigt haben. Die Mehrwertsteuerrichtlinie gibt den Rahmen für die Mehrwertsteuersätze in der EU vor, überlässt den Regierungen der EU-Länder jedoch die Entscheidung über Anzahl und Höhe der Steuersätze, sofern zwei Grundregeln eingehalten werden:
  • Erste Grundregel: Der Mehrwertsteuer-Normalsatz gilt für alle Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen.
  • Zweite Grundregel: Die EU-Länder können einen oder zwei ermäßigte Steuersätze anwenden, jedoch nur auf in der Mehrwert-steuerrichtlinie genannte Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen.
Der normale Mehrwertsteuersatz, der in allen EU-Ländern für Gegenstände und Dienstleistungen gilt, darf nicht niedriger als 15 % sein. Die EU-Länder können allerdings einen oder zwei ermäßigte Steuersätze, die nicht niedriger als 5 % sein dürfen, für bestimmte Gegenstände und in Anhang III der Richtlinie aufgeführte Dienstleistungen anwenden. Eine Reihe Ausnahmegenehmigungen von diesen Vorschriften (niedrigere Sätze, ermäßigte Sätze für andere Gegenstände oder Dienstleistungen usw.) sind unter bestimmten Bedingungen ebenfalls anwendbar.

Die Richtlinie sieht darüber hinaus Mehrwertsteuerbefreiungen vor. Die meisten davon sind Steuerbefreiungen ohne Recht auf Vorsteuerabzug, z. B. Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Heilbehandlungen oder soziale Dienste. Es bestehen jedoch auch Steuerbefreiungen mit Recht auf Vorsteuerabzug, z. B. innereuropäische Lieferungen von Gegenständen oder Exporte von Gegen-ständen in Drittländer. Bestimmte Steuerbefreiungen sind für die EU-Länder verpflichtend, andere sind freiwillig.

Erläuterungen zum steuerlichen Ort
Bereits im Oktober 2015 hatte die Kommission Erläuterungen zum steuerlichen Ort auf Englisch veröffentlicht. Diese stehen nunmehr in 22 weitere EU-Amtssprachen zur Verfügung. Ausgangspunkt ist die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1042/2013 des Rates vom 7. Oktober 2013 zur Änderung der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 282/2011 bezüglich des Ortes der Dienstleistung.

Nachfolgend werden die wichtigsten Punkte der Durchführungsverordnung anhand von einfach nachzuvollziehenden Beispielen dargestellt und erläutert.

EU logo

Aufgabe Generaldirektion Steuern und Zollunion der Kommission ist es,
  • die Zollunion als zentralen Bestandteil des Schutzes der EU-Aussengrenzen zu verwalten, zu verteidigen und weiter zu entwickeln,
  • die Steuerhindernisse, welche derzeit Privatper-sonen und Unternehmen hindern, ohne Beeinträchti-gungen grenzüberschreitend tätig zu sein und somit die Vorteile des Binnenmarktes zu nutzen, zu beseitigen und Änderungen von Steuersystemen anzuregen, damit diese Gemeinschaftsziele wie die Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung unterstützen;
  • wirksam internationalen Herausforderungen in Zusammenhang mit Zoll- und Steuerpolitiken zu begegnen;
  • eine bessere Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten zwecks Bekämpfung von Steuer- und Zollbetrug zu unterstützen;
  • mit interessierten Kreisen einen kontinuierlichen Dialog zu führen, um sicher zu stellen, dass Vorschriften und Rechtsvorschläge mit der Realität des raschen Wandels Schritt halten.
  • Nach der Richtlinie 2006/112/EG werden ab 1. Januar 2015 alle Telekommu-nikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen und elektronisch erbrachten Dienstleistungen an Nichtsteuerpflichtige in dem Mitgliedstaat besteuert, in dem der Dienstleistungsempfänger ansässig ist, seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat, unabhängig davon, wo der Steuerpflichtige ansässig ist, der diese Leistungen erbringt. Die meisten anderen Dienstleistungen an Nichtsteuerpflichtige werden weiterhin in dem Mitgliedstaat besteuert, in dem der Leistungserbringer ansässig ist.

    Damit festgestellt werden kann, welche Dienstleistungen im Mitgliedstaat des Dienstleistungsempfängers zu besteuern sind, müssen Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie elektronisch erbrachte Dienstleistungen definiert werden. Insbesondere das Konzept der Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen (im Folgenden „Rundfunkdienstleistungen“) sollte unter Bezugnahme auf die Begriffsbestimmungen in der Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen Parlaments und des Rates präzisiert werden.

    In erster Linie ist es notwendig, festzulegen, wer für Mehrwertsteuer (MwSt.)-Zwecke der Leistungserbringer ist, wenn elektronisch erbrachte Dienstleistungen oder über das Internet erbrachte Telefondienste einem Leistungsempfänger über Telekommunikationsnetze oder eine Schnittstelle bzw. ein Portal zur Verfügung gestellt werden.

    Grundsätzlich hängt der Ort der Besteuerung von der Art des Umsatzes ab.

    Dabei unterscheiden wir:
    • Lieferung von Gegenständen
    • Innergemeinschaftlicher Erwerb von Gegenständen
    • Dienstleistungen
      Hier gibt es einen neuen Leitfaden zu Dienstleistungen im Zusammenhang mit Grundstücken
    • Einfuhr von Gegenständen


    Lieferung von Gegenständen
    Der Ort der Besteuerung richtet sich nach dem Ort der Lieferung. Maßgeblich ist dabei sowohl die Art der gelieferten Gegenstände als auch die Form der Lieferung.

    Pierre Moscovici
    Am 10. September 2014 wurde Pierre Moscovici zum Wirtschafts- und Währungskommissar der EU-Kommission von Jean-Claude Juncker ernannt und folgte damit auf den Finnen Jyrki Katainen.. Er ist zugleich für Steuern und Zollunion zuständig.
    Die Lieferung von Gegenständen wird wie folgt besteuert:
    • am Ort, an dem sich die Gegenstände zum Zeitpunkt der Lieferung befinden, sofern sie nicht versandt oder befördertwerden [Artikel 31 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 1: Ein estländischer Hersteller, der in Estland eine Maschine von einem deutschen Unternehmen mietet und plant, die gemietete Maschine zu erwerben, muss die estländische Mehrwertsteuer entrichten, da Estland und nicht Deutschland Ort der Lieferung ist.
    • am Ort, an dem sich die Gegenstände bei Beginn der Versendung oder Beförderung befinden, sofern sie vom Lieferer, vom Erwerber oder von einer dritten Person versandt oder befördert werden [Artikel 32 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 2: Gegenstände, die vom Lieferer selbst oder von einem von ihm beauftragten Transportunternehmen von Hamburg zu einem Kunden nach Berlin befördert werden, unterliegen der deutschen Mehrwertsteuer (der Ort der Lieferung ist Hamburg).
      Beispiel 3: Gegenstände, die nach erfolgter Lieferung vom Erwerber oder von einem von ihm beauftragten Transportunternehmen von Bratislava zu einem Kunden nach Prag befördert werden, unterliegen der slowakischen Mehrwertsteuer.
    • am Ort, an dem sich die Gegenstände bei Versandgeschäften am Ende der Versendung oder Beförderung an den Erwerber befinden, sofern der Jahresumsatz des Lieferers die im Mitgliedstaat des Erwerbers festgelegte überschreitet [Artikel 33 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 4: Ein britisches Unternehmen verkauft über das Internet CDs an Privatpersonen in der gesamten EU. Beim Verkauf der CDs an Kunden in Dänemark wird bei Überschreiten der dänischen Umsatzschwelle die dänische Mehrwertsteuer fällig, während für Kunden in den Niederlanden bei Überschreiten der niederländischen Umsatzschwelle die niederländische Mehrwertsteuer berechnet werden muss.
    • am Ort, an dem sich die Gegenstände bei Versandgeschäftenam Beginn der Versendung oder Beförderung an den Erwerber befinden, sofern der Jahresumsatz des Lieferers die im Mitgliedstaat des Erwerbers festgelegte Umsatzschwelle (149 kB) unterschreitet (es sei denn, der Lieferer hat sich für die Besteuerung im Bestimmungsmitgliedstaat entschieden) [Artikel 34 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 5: Liegt der mit belgischen Kunden erzielte Jahresumsatz des in Beispiel 4 genannten britischen Unternehmens unter der belgischen Umsatzschwelle, werden die CDs im Vereinigten Königreich besteuert.
      Beispiel 6: Falls das britische Unternehmen einen Kunden in Luxemburg beliefert und sich für die Besteuerung im Bestimmungsmitgliedstaat entschieden hat, werden die CDs in Luxemburg besteuert.
    • am Ort, an dem die Gegenstände durch den Lieferer installiert oder montiert werden [Artikel 36 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 7: Wenn ein italienisches Unternehmen ein Gerät an einen Kunden in Rumänien liefert und dort installiert, unterliegt die Lieferung der rumänischen Mehrwertsteuer. Installiert der Kunde das Gerät stattdessen selbst, so ist die Lieferung in Italien steuerbar (eine steuerbefreite innergemeinschaftliche Lieferung in Italien gefolgt von einem innergemeinschaftlichen Erwerb in Rumänien findet statt, wenn der Kunde steuerpflichtig ist).
    • am Abgangsort, sofern die Lieferung an Bord eines Schiffes, eines Flugzeugs oder in einer Eisenbahn während des innerhalb der Gemeinschaft stattfindenden Teils einer Personenbeförderung erfolgt [Artikel 37 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 8: Gegenstände, die Passagiere bei einer Fährfahrt über den Ärmelkanal erwerben und die nicht für den Verbrauch an Bord bestimmt sind, werden in Großbritannien besteuert, wenn die Fähre von Dover nach Calais ablegt; auf dem Rückweg von Calais nach Dover wird die französische Mehrwertsteuer fällig.
      Beispiel 9: Gegenstände, die Passagiere auf einem Flug von Malaga nach Heathrow erwerben, unterliegen der spanischen Mehrwertsteuer. Auf dem Flug in die Gegenrichtung ist die britische Mehrwertsteuer fällig.
      Beispiel 10: Ein Einzelhändler verkauft auf einer Schiffsreise von Athen nach Barcelona Gegenstände an die Passagiere. Das Schiff legt auf seiner Fahrt für Besichtigungen kurz in Italien und in Frankreich an, ohne dass die Möglichkeit besteht, von Bord zu gehen oder zuzusteigen. Die verkauften Gegenstände unterliegen der griechischen Mehrwertsteuer.
    • am Niederlassungsort des steuerpflichtigen Wiederverkäufers bei Bezug von Elektrizität oder Gas über das Erdgasverteilungsnetz [Artikel 38 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 11: Liefert ein schwedisches Kraftwerk Elektrizität an ein dänisches Stromversorgungsunternehmen zur Verteilung an dessen Kunden, erfolgt die Besteuerung in Dänemark.
      Beispiel 12: Ein niederländisches Vertriebsunternehmen, das Erdgas aus der Nordsee bezieht, muss die niederländische Mehrwertsteuer entrichten.
    • am Ort, an dem private Verbraucher Elektrizität oder über das Erdgasverteilungsnetz geliefertes Gastatsächlich nutzen und verbrauchen [Artikel 39 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 13: Eine in Warschau lebende Privatpersonen, die von einem deutschen Stromversorgungsunternehmen Gas über das Erdgasverteilungsnetz erhält, muss die polnische Mehrwertsteuer zahlen.
      Beispiel 14: Für Elektrizität, die in Budapest an private Verbraucher geliefert wird, ist die ungarische Mehrwertsteuer zu entrichten.


    Innergemeinschaftlicher Erwerb von Gegenständen
    Der Ort der Besteuerung hängt davon ab, wo der innergemeinschaftliche Erwerb der Gegenstände stattfindet (also davon, in welchem Mitgliedstaat sich die Gegenstände nach ihrer Beförderung aus einem anderen Mitgliedstaat befinden).

    Stefen Quest
    Stephen QUEST ist Generaldirektor der Generaldirektion für Steuern und Zollunion der EU-Kommission, deren Aufgabe es ist, einen aktiven Beitrag zur Erreichung der strategischen Ziele der Europäischen Union zu leisten.
    Gegenstände, die von einem Steuerpflichtigen, der als solcher handelt (einem Unternehmen in seiner Unternehmerrolle) oder von einer nicht steuerpflichtigen juristischen Person (z. B. einer Behörde) erworben werden, unterliegen der Mehrwertsteuerpflicht. Aus Gründen der Vereinfachung sind Gegenstände, die von Steuerpflichtigen, die unter die KMU-Regelung oder die Pauschalregelung für landwirt-schaftliche Erzeuger fallen, oder die von nicht steuerpflichtigen juristischen Personen erworben werden, nicht mehrwertsteuerpflichtig, falls deren jährliche Anschaffungen die in ihrem Mitgliedstaat festgelegte Jahresumsatzschwelle unterschreiten (Minimum 10 000 EUR), obwohl es möglich ist, sich auch in diesem Fall für eine Besteuerung zu entscheiden.

    Der Erwerb von Gegenständen wird in dem Mitgliedstaat besteuert, in dem die Mehrwertsteuer-Identifikationsnummer erteilt wurde (Mitgliedstaat der Identifizierung), die für den Erwerb verwendet wird. Werden die Gegenstände in einen anderen Mitgliedstaat befördert (Ankunftsmitgliedstaat), muss die Steuer dort entrichtet werden. Die im Mitgliedstaat der Registrierung gezahlte Mehrwertsteuer wird anschließend berichtigt.
    Hier einige Beispiele dazu:
    • Besteuerung im Mitgliedstaat der Identifizierung [Artikel 41 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 15: Ein Unternehmen erwirbt unter Angabe seiner französischen Mehrwertsteuer-Identifikationsnummer Gegenstände in einem anderen Mitgliedstaat für seine Fabrik in Straßburg. In diesem Fall ist die französische Mehrwertsteuer zu entrichten.
      Beispiel 16: Ein Unternehmen kauft in Spanien Gegenstände ein und gibt dabei seine in der Slowakei erteilte Mehrwertsteuer-Identifikationsnummer an. Die Mehrwertsteuer ist in der Slowakei fällig.
    • Besteuerung im Ankunftsmitgliedstaat der Gegenstände [Artikel 40 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 17: Wenn ein Unternehmen unter Angabe seiner slowakischen Mehrwertsteuer-Identifikationsnummer Gegenstände erwirbt, die von Spanien nach Deutschland versandt werden, ist die Mehrwertsteuer für den Erwerb in Deutschland zu entrichten; die in der Slowakei geschuldete Steuer (siehe Beispiel 16) wird entsprechend korrigiert.


    Dienstleistungen
    Am 1. Januar 2010 traten neue Bestimmungen in Kraft, die gewährleisten sollen, dass die auf Dienstleistungen erhobene Mehrwertsteuer dem Land zufließt, in dem die Dienstleistungen in Anspruch genommen werden (dem "Mitgliedstaat des Verbrauchs") [siehe die vom Rat der Europäischen Union angenommene Richtlinie 2008/8/EG und die Pressemitteilung IP/08/208].

    Zur Sicherstellung einer einheitlicheren Anwendung sind bestimmte Aspekte dieser Bestimmungen mit Hilfe von Durchführungsmassnahmen klargestellt worden, die seit dem 1. Juli 2011 unmittelbar anwendbar sind [siehe vom Rat angenommene Durchführungsverordnung Nr. 282/2011 sowie Pressemitteilung des Rates (S. 13)]. Die Kommission hat am 18. Dezember 2012 eine Änderung dieser Verordnung vorgeschlagen, welche ab dem 1. Januar 2015 die Besteuerung von elektronischen Dienstleistungen unternehmensfreundlicher machen sollte. Siehe die Pressemitteilung und den Vorschlag.

    Der Ort der Besteuerung richtet sich nach dem Ort, an dem die Dienstleistung erbracht wird. Maßgeblich ist dabei sowohl die Art der Dienstleistung als auch der Status des Dienstleistungsempfängers. Es muss zwischen Steuerpflichtigen, die als solche handeln (Unternehmen, das als solches handelt) und Nichtsteuerpflichtigen (Privatpersonen als Endverbraucher) unterschieden werden.

    Unter den Begriff "Steuerpflichtiger" fallen Personen, die eine wirtschaftliche Tätigkeit selbständig ausüben, selbst dann, wenn sie keine Mehrwertsteuer-Identifikationsnummer besitzen, sowie nicht steuerpflichtige juristische Personen mit Mehrwertsteuer-Identifikationsnummer [Artikel 43 der MwSt-Richtlinie].

    Erst wenn die genaue Art der Dienstleistung und der Status des Dienstleistungsempfängers bekannt sind, lässt sich der Ort der Dienstleistungserbringung korrekt bestimmen.

    Dienstleistungen zwischen Unternehmen (B2B-Dienstleistungen) werden grundsätzlich am Ansässigkeitssort des Dienstleistungsempfängers besteuert, Dienstleistungen an Privatpersonen (B2C-Dienstleistungen) dagegen am Ansässigkeitssort des Dienstleistungserbringers.
    • B2B-Dienstleistungen [Artikel 44 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 18: Der Ort der Dienstleistung, die ein Unternehmen in Salzburg für einen Geschäftskunden in Wien erbringt, ist Wien. Da der Dienstleistungserbringer in Österreich niedergelassen ist, stellt er dem Kunden die österreichische Mehrwertsteuer in Rechnung.
      Beispiel 19: Für Buchführungsdienstleistungen, die ein bulgarisches Unternehmen für einen Geschäftsunden mit Sitz in Österreich erbringt, muss die österreichische Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt werden. Falls der bulgarische Dienstleistungserbringer keine Niederlassung in Österreich besitzt, schuldet der österreichische Kunde in Umkehrung der Steuerschuldnerschaft die Mehrwertsteuer.
      Beispiel 20: Wenn ein polnisches Unternehmen für einen Geschäftskunden mit Sitz in Schweden für dessen feste Niederlassung in Finnland Rechtsdienstleistungen erbringt, unterliegen diese in Finnland der Mehrwertsteuer, die der Kunde im Rahmen der Umkehrung der Steuerschuldnerschaft selbst schuldet.
      • Beispiel 21: Erbringt ein italienisches Unternehmen für eine Behörde in Spanien, die aufgrund ihrer innergemeinschaftlichen Erwerbe von Gegenständen eine Mehrwertsteuer-Identifikationsnummer besitzt, Dienstleistungen im Bereich der Werbung, so werden diese nach dem Prinzip der Umkehrung der Steuerschuldnerschaft in Spanien besteuert.
    • B2C-Dienstleistungen [Artikel 45 der MwSt-Richtlinie]
      Beispiel 22: Beratungsleistungen, die ein in Lissabon ansässiges Unternehmen einer in Dänemark ansässigen Privatperson zukommen lässt, unterliegen in Portugal der Mehrwertsteuer.
      Beispiel 23: Ein in Griechenland ansässiger Dienstleistungserbringer muss einem Geschäftskunden in Rumänien, der für private Zwecke Rechtsdienstleistungen in Anspruch nimmt, die griechische Mehrwertsteuer in Rechnung stellen.
    Um zu gewährleisten, dass die Mehrwertsteuereinnahmen dem Mitgliedstaat des Verbrauchs zufließen, wurden jedoch verschiedene Ausnahmeregelungen geschaffen:
    • Von einem Vermittler erbrachte B2C-Dienstleistungen [Artikel 46 der MwSt-Richtlinie]
      werden an dem Ort besteuert, an dem der vermittelte Umsatz steuerbar ist .
      Beispiel 24: Der private Eigentümer eines in Frankreich gelegenen Sommerhauses, der einen Teil des Mobiliars in sein Haus in Schweden überführen möchte, schaltet einen Vermittler ein, der ein Umzugsunternehmen für ihn finden soll. Unabhängig vom Ansässigkeitssort des Vermittlers wird die französische Mehrwertsteuer auf die Vermittlungsgebühr erhoben, da die innergemeinschaftliche Güterbeförderung am Abgangsort besteuert wird.
    • B2B- und B2C-Dienstleistungen im Zusammenhang mit einem Grundstück [Artikel 47 der MwSt-Richtlinie]
      werden an dem Ort besteuert, an dem das Grundstück gelegen ist.
      Beispiel 25: Erhält ein in Frankreich ansässiger Architekt den Auftrag, ein Sommerhaus in Spanien zu entwerfen, muss er seinem Kunden bei Auftragsausführung die spanische Mehrwertsteuer dafür in Rechnung stellen.
      Beispiel 26: Ein Hotelgast in Nikosia zahlt für die Hotelunterbringung die zypriotische Mehrwertsteuer.
    • B2C-Dienstleistungen, die die Begutachtung von beweglichen körperlichen Gegenständen oder Arbeiten an solchen Gegenständen betreffen, [Artikel 54 der MwSt-Richtlinie]
      werden an dem Ort besteuert, an dem sie tatsächlich erbracht werden.
      Beispiel 27: Ein italienischer Künstler restauriert ein durch Feuer beschädigtes Gemälde eines privaten Eigentümers (nicht eines Museums, das als steuerpflichtig gelten würde). Falls sich das Gemälde im Vereinigten Königreich befindet, muss er dafür die britische Mehrwertsteuer in Rechnung stellen.
      Beispiel 28: Wird bei einem Privatfahrzeug aus Litauen nach einer Panne eine Reparatur in Polen fällig, ist die polnische Mehrwertsteuer zu berechnen.
      Beispiel 29: Beauftragt eine in London lebende Privatperson ein Unternehmen damit, nach Irland zu reisen und dort eine Schätzung ihres Privatvermögens vorzunehmen, wird die irische Mehrwertsteuer fällig.
    • B2B- und B2C-Personenbeförderungsleistungen werden nach den jeweils zurückgelegten Strecken besteuert [Artikel 48 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 30: Der Preis einer Busfahrkarte für eine Fahrt von Polen nach Frankreich über Deutschland enthält polnische, deutsche und französische Mehrwertsteuer entsprechend der im jeweiligen Mitgliedstaat zurückgelegten Strecke. Sollte die Fahrt auch durch die Schweiz führen, wird für die dort zurückgelegte Strecke keine EU-Mehrwertsteuer fällig, da die Schweiz kein Mitglied der Europäischen Union ist.
    • Die B2C-Güterbeförderung, die keine innergemeinschaftliche Beförderung darstellt, wird gemäß den jeweils zurückgelegten Strecken besteuert [Artikel 49 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 31: Transportiert ein Unternehmen Güter für eine Privatperson von Paris nach Marseille, muss unabhängig vom Ansässigkeitssort des Unternehmens die französische Mehrwertsteuer berechnet werden.
    • Die innergemeinschaftliche B2C-Güterbeförderung (Güter, die von einem Mitgliedstaat in einen anderen befördert werden) wird am Abgangsort besteuert [Artikel 50 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 32: Werden Güter für eine Privatperson von Deutschland nach Frankreich befördert, ist dafür die deutsche Mehrwertsteuer zu berechnen, unabhängig vom Ansässigkeitsort des Transportunternehmens und vom Wohnort des Kunden.
    • Nebentätigkeiten zur B2C-Güterbeförderung wie das Be- und Entladen werden in dem Mitgliedstaat besteuert, in dem sie tatsächlich erbracht werden [Artikel 54 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 33: Ein dänisches Unternehmen, das für eine Privatperson einen Lastwagen in Rotterdam entlädt, muss dem Kunden die niederländische Mehrwertsteuer in Rechnung stellen.
    • B2B-Dienstleistungen, die die Eintrittsberechtigung zu Veranstaltungen auf dem Gebiet der Kultur, der Künste, des Sports, der Wissenschaft, des Unterrichts, der Unterhaltung und ähnlicher Veranstaltungen betreffen, werden an dem Ort besteuert, an dem die Veranstaltung tatsächlich stattfindet [Artikel 53 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 34: Eine Karte für die Oper in Verona, die ein irisches Unternehmen zu Geschäftszwecken erwirbt, enthält künftig die italienische Mehrwertsteuer. Dies gilt unabhängig davon, ob die Karte im Internet oder an der Opernkasse erworben wird.
      Beispiel 35: Die Teilnahmegebühr für eine Konferenz in Stockholm wird mit der schwedischen Mehrwertsteuer belastet.
      Beispiel 36: Für die Erstellung eines wissenschaftlichen Berichts durch die Universität Köln für ein pharmazeutisches Unternehmen in Dänemark (es fehlt das Element der Eintrittsberechtigung) wird anders als bisher die dänische Mehrwertsteuer fällig, die von dem dänischen Unternehmen zu entrichten ist.
    • B2C-Dienstleistungen im Zusammenhang mit Tätigkeiten auf dem Gebiet der Kultur, der Künste, des Sports, der Wissenschaft, des Unterrichts, der Unterhaltung oder ähnlicher Veranstaltungen werden an dem Ort besteuert, an dem die Tätigkeit tatsächlich ausgeführt wird [Artikel 54 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 37: Im Preis einer Eintrittskarte für ein Fußballspiel in Liverpool ist die britische Mehrwertsteuer inbegriffen.
      Beispiel 38: Ein in Antwerpen lebender Student, der an einer Wirtschaftsakademie in Den Haag einen Managementkurs belegt, muss künftig die niederländische Mehrwertsteuer zahlen.
    • B2B- und B2C-Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, die nicht an Bord eines Schiffes oder eines Flugzeugs oder in der Eisenbahn während des innerhalb der EU stattfindenden Teils einer Personenbeförderung erbracht werden, werden an dem Ort besteuert, an dem sie tatsächlich erbracht werden [Artikel 55 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 39: Gäste, die in einem Pariser Restaurant essen, zahlen die französische Mehrwertsteuer.
      Beispiel 40: Ein Unternehmen, das für eine Veranstaltung in Florenz Lebensmittel und Getränke besorgt, verarbeitet und den Gästen serviert, muss unabhängig von seinem Ansässigkeitsort die italienische Mehrwertsteuer dafür in Rechnung stellen.
    • Werden B2B- und B2C-Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen an Bord eines Schiffes oder eines Flugzeugs oder in der Eisenbahn während des innerhalb der EU stattfindenden Teils einer Personenbeförderung erbracht, so ist die Steuer am Abgangsort der Beförderung zu entrichten [Artikel 57 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 41: Speisen, die an Bord einer Fähre serviert werden, die von Hull nach Rotterdam (oder jedem beliebigen Hafen in der EU) unterwegs ist, unterliegen der britischen Mehrwertsteuer.
    • Die B2B- und B2C-Vermietung von Beförderungsmitteln über einen kürzeren Zeitraum wird an dem Ort besteuert, an dem das Beförderungsmittel dem Empfänger tatsächlich zur Verfügung gestellt wird [Artikel 56 der MwSt-Richtlinie]. Als "kürzerer Zeitraum" gilt der Besitz oder die Verwendung des Beförderungsmittels während eines ununterbrochenen Zeitraums von nicht mehr als 30 Tagen und bei Wasserfahrzeugen von nicht mehr als 90 Tagen.
      Beispiel 42: Ein Belgier, der auf einer Urlaubs- oder Geschäftsreise im Baltikum bei Ankunft am Flughafen in Riga für zwei Wochen einen Wagen mietet, muss die lettische Mehrwertsteuer zahlen.
      Beispiel 43: Für die zweimonatige Anmietung eines Bootes auf Sardinien wird die italienische Mehrwertsteuer fällig, unabhängig davon, wer der Mieter ist und wo die Reise hingeht.
    • Elektronisch erbrachte Dienstleistungen, die in einem Drittland niedergelassene Unternehmen für in der EU ansässige Nichtsteuerpflichtige (d. h. B2C) erbringen, werden an dem Ort besteuert, an dem der Nichtsteuerpflichtige seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort hat [Artikel 58 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 44: Nutzt eine Privatperson in Schweden eine japanische Online-Bibliothek, unterliegt die von dem japanischen Unternehmen erhobene Gebühr der schwedischen Mehrwertsteuer.
    • Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie Telekommunikationsdienstleistungen, die in einem Drittland niedergelassene Unternehmen an Nichtsteuerpflichtige (d. h.B2C) in der EU erbringen, sind an dem Ort zu besteuern, an dem die Dienstleistungen tatsächlich genutzt und ausgewertet werden [Artikel 59b der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 45: Eine französische Privatperson, die einen Vertrag mit einem Schweizer Telekommunikationsanbieter abgeschlossen hat, muss für die Handynutzung in Frankreich die französische Mehrwertsteuer zahlen. Wird das Handy im Urlaub in Griechenland benutzt, unterliegen die von Griechenland aus getätigten Anrufe der griechischen Mehrwertsteuer.
      Beispiel 46: Eine in Barcelona lebende Privatperson, die an ein US-Unternehmen Gebühren für den Zugang zu amerikanischen Rundfunk- und Fernsehsendern zahlt, muss für diese Dienstleistung die spanische Mehrwertsteuer zahlen.
    • B2C-Dienstleistungen wie beispielsweise Dienstleistungen auf dem Gebiet der Werbung, Dienstleistungen von Beratern und Anwälten, Finanzdienstleistungen, Telekommunikationsdienstleistungen, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungensowie elektronisch erbrachte Dienstleistungen werden an dem Ort besteuert, an dem der Kunde ansässig ist, sofern dieses Land außerhalb der Europäischen Union liegt [Artikel 59 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 47: Wenn ein ungarisches Unternehmen ein über seine Website abrufbares Antivirenprogramm an Privatpersonen in Australien verkauft, fällt in Ungarn keine Mehrwertsteuer an.
      Beispiel 48: Von einem belgischen Anwalt für einen Professor in den USA erbrachte Dienstleistungen unterliegen nicht der belgischen Mehrwertsteuer.
    • Um Doppelbesteuerung, Nichtbesteuerung oder Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, können Mitgliedstaaten den Ort der Dienstleistung innerhalb der EU so behandeln, als läge er außerhalb ihres Gebiets, und umgekehrt, falls er im Hinblick auf die tatsächliche Nutzung oder Auswertung der Dienstleistung von dem Ort abweicht, der in den allgemeinen Bestimmungen, den Bestimmungen über die Vermietung von Beförderungsmitteln oder den Bestimmungen über bestimmte B2C-Dienstleistungen außerhalb der EU als Ort der Dienstleistung vorgesehen ist [Artikel 59a der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 49: Dienstleistungen auf dem Gebiet der Werbung, die ein Unternehmen in Norwegen für ein Unternehmen in den USA erbringt, werden gewöhnlich am Niederlassungsort des Kunden besteuert, ohne dass EU-Mehrwertsteuer dafür anfällt. Falls für die Werbekampagne jedoch Medien in einem Mitgliedstaat eingesetzt werden, kann dieser Mitgliedstaat unter Hinweis auf die Bestimmung über die tatsächliche Nutzung oder Auswertung beschließen, dass auf seinem Gebiet Mehrwertsteuer für die Dienstleistung zu entrichten ist.
      Beispiel 50: Ein deutsches Unternehmen befördert Güter für ein schwedisches Unternehmen von den Vereinigten Staaten nach China. Obwohl die Beförderung gänzlich außerhalb der EU stattfindet, ist die Dienstleistung in Schweden steuerbar, da der Kunde dort niedergelassen ist. Schweden kann aufgrund der Bestimmung über die tatsächliche Nutzung oder Auswertung auf die Besteuerung dieser Dienstleistung verzichten, da sie außerhalb seines Hoheitsgebiets und der EU erbracht wird.
    • Jeder Mitgliedstaat hat über die Anwendung der Bestimmungen über die tatsächliche Nutzung und Auswertung zu entscheiden. Die Inanspruchnahme der Bestimmungen ist bei dem entsprechenden Mitgliedstaat zu erfragen.
      Es werden folgende weitere Ausnahmen eingeführt oder Änderungen an bestehenden Ausnahmeregelungen vorgenommen:

      Ab 1. Januar 2013: Die langfristige B2C-Vermietung von Beförderungsmitteln wird an dem Ort besteuert, an dem der Dienstleistungsempfänger ansässig ist oder seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort hat [Änderung von Artikel 56 der MwSt-Richtlinie], außer wenn der Vermieter eines Sportboots im selben Mitgliedstaat niedergelassen ist, in dem er dem Empfänger das Boot zur Verfügung stellt.
      Beispiel 51: Eine in Wien ansässige Privatperson, die für sechs Monate einen Mietwagen leiht, muss die österreichische Mehrwertsteuer zahlen, unabhängig davon, wo in der EU das Fahrzeug angemietet wird.
      Beispiel 52: Eine in Deutschland ansässige Person, die von Schweden aus ein Sportboot für den ganzjährigen Gebrauch anmietet, muss die deutsche Mehrwertsteuer entrichten. Falls das Boot dem Kunden jedoch in Schweden von einem dort niedergelassenen Dienstleistungserbringer zur Verfügung gestellt wird, wird die schwedische Mehrwertsteuer fällig.

      Ab 1. Januar 2015: Telekommunikationsdienstleistungen, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie elektronisch erbrachte B2C-Dienstleistungen werden an dem Ort besteuert, an dem der Dienstleistungsempfänger ansässig ist oder seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort hat [Änderung von Artikel 58 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 53: Wenn eine in Lissabon lebende Privatperson ein Unternehmen mit Webhosting beauftragt, muss die portugiesische Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt werden, unabhängig davon, ob der Dienstleistungserbringer in Portugal, einem anderen EU-Mitgliedstaat oder außerhalb der EU niedergelassen ist.
      Beispiel 54: Für die Handynutzung einer in Athen lebenden Privatperson wird die griechische Mehrwertsteuer fällig.
      Beispiel 55: Eine Privatperson, für die in Helsinki Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen erbracht werden, muss die finnische Mehrwertsteuer zahlen.


    Einfuhr von Gegenständen
    Bei der Einfuhr von Gegenständen aus Ländern oder Gebieten außerhalb der EU richtet sich der Ort der Einfuhr danach, wo sich die Gegenstände bei ihrer Verbringung in die EU befinden.
    • Die Einfuhr wird grundsätzlich in dem Mitgliedstaat besteuert, in dem die Gegenstände ankommen [Artikel 60 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 56: Aus Russland kommendes Öl, das in Rotterdam eintrifft und dort beim Zoll angemeldet wird, unterliegt der niederländischen Mehrwertsteuer.
    • Wenn Gegenstände bei ihrer Verbringung in die EU einem zollrechtlichen Nichterhebungsverfahren oder einer ähnlichen Regelung unterliegen, erfolgt die Einfuhr in dem Mitgliedstaat, in dem die Gegenstände nicht mehr unter dieses Verfahren oder die sonstige Regelung fallen [Artikel 61 der MwSt-Richtlinie].
      Beispiel 57: Für Verbrauchsgüter, die bei ihrer Verbringung in die EU in Polen in das Versandverfahren überführt werden, bis sie ihren endgültigen Bestimmungsort in den Niederlanden erreichen, wo das Zollverfahren beendet wird, ist die niederländische Mehrwertsteuer zu entrichten.


    Literaturhinweise
    • Das gemeinsame Mehrwertsteuersystem der EU (PDF Download)
    • Richtlinie 2006/112/EG Des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (PDF Download)
    • Richtlinie 2008/8/EG Des Rates vom 12. Februar 2008 zur Änderung der Richtlinie 2006/112/EG bezüglich des Ortes der Dienstleistung (PDF Download)
    • Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1042/2013 DES RATES vom 7. Oktober 2013 zur Änderung der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 282/2011 bezüglich des Ortes der Dienstleistung (PDF Download)
    • MwSt.: Besteuerung von Telekommunikations-, Rundfunk- und elektronischen Dienstleistungen, Pressemitteilung (PDF Download)
    • Telekommunikationsdienstleistungen, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen und elektronisch erbrachte Dienstleistungen (PDF Download)
    • Erläuterungen zu den 2017 in Kraft tretenden EU-Mehrwertsteuerbestimmungen zum Ort der Dienstleistung im Zusammenhang mit Grundstücken (Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1042/2013) (PDF Download)




    Weitere Informationen zum EIKV, dem European Institute for Knowledge and Value Management   finden Sie hier




    European Institute for Knowledge & Value Management A.s.b.l.
    27d, rue du Scheid, L-6996 Rameldange,
    E-Mail: Carole Sitz